
Seit 150 Jahren und bereits in der fünften Generation wird der „Esserbauer“ im Salzburger Land bewirtschaftet. Heute führt ihn der 55-jährige Manfred Eisl, und auch die sechste Generation arbeitet schon fleißig am Hof mit. Der Betrieb war traditionell ein Mischbetrieb mit Grünland, Viehhaltung und Ackerbau – eine Tradition, die Manfreds Eltern kurz unterbrachen, die er aber wieder aufgenommen hat. Neben seiner Arbeit genießt er die Jagd, fährt Rad oder erklimmt die Berge in seiner Umgebung.
JB In wenigen Worten: Für was steht dein Hof?
ME Für Familie, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.
JB Was ist deine größte Motivation, Landwirt zu sein – wofür setzt du dich ein?
ME Ich bin aus Tradition Bauer geworden, aber mit großer Freude. Mir ist bewusst, dass ich den Hof nur von der nächsten Generation geliehen habe. Deshalb darf ich ihn nicht ausnutzen, sondern muss die Böden verbessern. Das geht nur auf biologischem, nachhaltigem Weg – ohne chemisch-synthetische Mittel. Die Regenwürmer sind wichtiger als der Maschinenring, auch wenn das viele noch nicht verstehen.


JB Was machst du anders als die anderen?
ME Ich plane nicht alles durch, sondern akzeptiere, was mir die Natur vorgibt. Wenn es kein Wasser gibt, wächst eben nichts. Der Bauer macht vielleicht 10 %, den Rest bestimmt die Natur.
JB Was ist deine Vision für den Betrieb – wie soll er sich in Zukunft entwickeln?
ME Wir wollen möglichst unabhängig sein. Damit haben wir vor 30 Jahren mit einem eigenen Brunnen begonnen, später kam die Photovoltaikanlage dazu. Auch der Einsatz von möglichst wenigen Maschinen gehört für mich zur Unabhängigkeit.
JB Und was ist deine Vision für die Natur?
ME Wünschenswert wäre eine Landwirtschaft, die ausschließlich biologisch arbeitet. Chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel sollten längst verschwinden – wir können sehr gut ohne sie leben. Wichtig ist, dass wir sorgsam mit der Natur umgehen und selbstständig zu denken beginnen.
JB Warum und wie setzt du dich für Humusaufbau und Biodiversität ein?
ME Der Boden ist unsere wichtigste Grundlage. Humus hält Wasser und liefert Nährstoffe – das ist das A und O. Pflanzen wie Erbsen oder Pferdebohnen sammeln Stickstoff aus der Luft und geben ihn über ihre Wurzeln in den Boden. Damit braucht es keinen Kunstdünger aus dem Lagerhaus.
JB Was unterscheidet den Laufener Landweizen von anderen, modernen Getreidesorten?
ME Der Laufener Landweizen wurde über Jahrhunderte in der Region gezüchtet und angepasst – im Gegensatz zu modernen Hybridsorten. Gemeinsam mit anderen Landwirten konnte ich ihn wiederbeleben. Er ist zwar ertragsschwächer, aber mit seiner goldbraunen Farbe und 1,80 m Höhe ein besonderer Anblick. Zudem fördert er die Biodiversität: Auf unseren Feldern wurden 50 bis 70 Begleitkräuter gefunden. Jedes einzelne ist Lebensraum für bis zu zehn Insekten – das ergibt bis zu 700 Insekten auf einem Feld.
JB Warum baust du gerade den Laufener Landweizen an?
ME Weil er zu unserer Region gehört – und zu unserer Ernährung. Weizen ist in Verruf geraten, doch alte Landsorten wie der Laufener Landweizen sind bekömmlicher und ernährungsphysiologisch wertvoller. Er enthält viel Karotin, mehr Vitamin B und mehr Mineralstoffe. Das bestätigen auch unsere Kundinnen und Kunden immer wieder.
Manfred Eisl
Manfred Eisl führt den Esserbauer-Hof in St. Georgen im Salzburger Land in fünfter Generation. Mit dem Laufener Landweizen setzt er sich für den Erhalt regionaler Landsorten, für Humusaufbau und Biodiversität ein. Sein Ziel ist eine unabhängige, biologische Landwirtschaft, die den Boden stärkt und künftigen Generationen eine gesunde Basis überlässt.

